13.09. Aufstieg zum Mt. Fuji

Also, am Freitag den 05. September war es soweit, wir machten uns abends nach der Arbeit bzw. Schule auf zum Mt. Fuji, dem höchsten Berg Japans (3.776m)!
Ein spannendes Abenteuer sollte beginnen!
Wir liehen uns das Auto von Naomis Onkel aus und fuhren um 20 Uhr nach einer Schüssel Ramen (Nudelsuppe) los. Zum Glück war nichts von großen Staus auf den Straßen zu sehen und wir kamen gut durch. Auch als wir am Berg ankamen war nicht so viel los, was uns etwas überraschte.
Okay, die Hauptsaison ist im Juli und August, wo der Berg von Hunderttausenden bestiegen wird und es dort echt verrückt zugehen muss, aber es war jetzt nur das erste Wochenende im September... Naja, das kam uns nur entgegen, denn wir wollten den großen Menschenmengen aus dem Wege gehen. Der Nachteil der Nebensaison ist, dass nicht mehr alle Hütten am Berg geöffnet sind und auch der Busservice nicht mehr so regelmäßig verkehrt bevor er dann ganz eingestellt wird, aber das sollte uns nicht stören.
Der Berg ist in 10 Stationen unterteilt, wobei die 1. auf ca. 1.150m liegt und die 10. auf dem Giplelgrat selber liegt.
Nun hört sich ein Berg von 3.776m Höhe sehr hoch an, aber wenn man ihn, wie es die Japaner tun und wir es auch taten, ihn von der 5. Station aus besteigt, dann ist es kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Es gibt außerdem um den Berg herum 4 solcher 5. Stationen, so verteilen sich die Menschen ein wenig.
Wir fuhren also bis zur 5. Station von Kawaguchi-ko, die schon 2.305m hoch ist, wo es einen großen Parkplatz gibt, Busse halten und viele Souvenirshops, Restaurants und kleine Supermärkte sind. Wir kamen so gegen 22.30 Uhr dort an, wollten aber erst um 5.20 Uhr zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein, also die Nacht durch aufsteigen. Es war es aber noch zu früh, um loszugehen, denn wir planten maximal 5 Stunden bis zum Gipfelgrat. So versuchten wir etwas im Auto zu schlafen.
Natürlich war trotzdem ein kommen und gehen auf dem Parkplatz und wir machten uns dann auch bald Startklar. Wir gingen noch kurz zu einem Schrein und baten den dortigen Gott oder auch "meinen" Gott, um eine sichere Wanderung und um 0.30 Uhr gingen wir los.
Wir hatten unsere Stirnlampen, die wir zur Kilimanjarobesteigung letztes Jahr gekauft hatten, um den Weg sehen zu können, denn es war ja stockfinster. Man sah vereinzelt Lichtpunkte von anderen Bergsteigern am Berg, wir waren also nicht alleine unterwegs, das gab uns Sicherheit.
Es war eine milde Nacht, fast Sternenklar, und wir waren guter Dinge und nicht zu müde.
Bis zur 6. Station (2.390m) ging es nur leicht bergauf und wir waren locker in einer halben Stunde dort.
Dort gab es eine Hütte und Toiletten und große Lichtstrahler, die die Hütte anpriesen.
Von dort an ging es dann richtig los. Es ging steil im Zickzack den Berg hinauf. Der Weg wurde gerade super erneuert, dadurch war es leicht die Geröllstufen zu gehen.
Bei der 7. Station (2.700m) waren wir noch vor 2 Uhr. Es war kein Problem und wir überholten nach und nach die ersten Leute.
Von dort an gab es sehr viele Hütten am Weg. Bis zur 8. Station, was ein weiter Weg war, waren es bestimmt mehr als 10 Hütten.
Die Hütten bieten unter anderem Schlafplätze für ca. 35€ an, wofür man, wie Sardinen, in einen Raum gequetscht wird. Viele Japaner schlafen dort ein paar Stunden, damit die Besteigung nicht so anstrengend ist oder es überhaupt möglich ist, den Gipfel zu erklimmen und vorallem zum Sonnenaufgang dort zu sein. Außerdem werden Getränke und Snacks angeboten oder man kann sich einfach zum ausruhen oder aufwärmen hineinsetzen, aber auch dafür muss man bezahlen. Alle sind super beleuchtet, schon alleine durch die Generatoren sehr laut und haben Toiletten.
Wir haben nur bei manchen draußen auf der Bank Pause gemacht und sind dann bald weitergegangen.
Die 3000m-Marke passierten wir gegen 2.40 Uhr und bei der 8. Station (3.020m), einer der vielen sogenannten "8." Stationen, waren wir noch vor 3 Uhr!
Wir gingen gut unser Tempo, was für die anderen Japaner sehr schnell war. Konnten gut mit unseren Stirnlampen sehen und hatten kein Problem mit der Höhe.
Es ist unglaublich, aber es wird überall Sauestoff in Flaschen angeboten. Es wird gesagt, dass es ein Muss für die Besteigung des Mt. Fuji ist, "Ohne geht es nicht!!!"!!! 7 Euro für 10 Minuten künstlichen Sauerstoff. Hahahaha, ob das etwas bringt?
Somit sahen und hörten wir überall, wie Leute diesen Sauerstoff inhalierten und trotzdem mit der Höhe kämpften. Lustig, lustig.
Auf 3.250m waren wir dann um 3.30 Uhr. Wir waren gut in der Zeit.
Ab dem "Fujisan Hotel" (3.360m, s. Bild) wurde es dann richtig voll. Wir waren dort so gegen 4 Uhr. Viele Leute machten dort Pause und aßen warme Nudelsuppe oder tranken heissen Tee.
Es kam nämlich Wind auf und es wurde etwas frisch.
Als wir nun Richtung Gipfelgrat guckten sahen wir eine Lichterkette von Lampen den Berg hinauf schaukeln.
Es waren mehrere große Busgruppen von 50 Leuten unterwegs und der Weg wurde steiler und schmaler. Schnell kamen wir an das Ende der ersten Gruppe. Die Schlange reihte sich nun aneinander bis zum Gipfelgrat. Unglaublich, wir hatten einen echten Stau! Die Japaner sind sehr geduldig und warteten hintereinander bis es weiterging. Keiner überholte oder versuchte abzukürzen. Ich konnte es nicht fassen. Mir ging das natürlich viel zu langsam und ich wollte nicht warten. Wir wollten ja schliesslich zum Sonnenaufgang oben sein, aber in diesem Tempo würden wir es nicht schaffen. So waren wir die "bad guys" und überholten, wo wir nur konnten.
Langsam wurde es heller am Horizont, aber die Sonne kam noch nicht hervor.
Nachdem wir zwischendurch die 9. Station passiert hatten, kamen wir endlich, um 5 Uhr, durch das torii, was den heiligen Eingang zu einem Schrein, oder hier zum Gipfelbereich, markiert, das mit Löwen flankiert ist!
Wir waren auf dem unteren Gipfel (3.756m).
Yeah, wir hatten es geschafft und waren auch nicht zu früh, den es war bitter, bitter kalt geworden.